Sie entschied sich also
für das „Taylors“, öffnete die grüne Tür
und musste erst mal ein paar Stufen nach unten gehen. Die Bar war um diese
Uhrzeit noch nicht besonders gut besucht. Einige Pärchen saßen an den Tischen,
die Plätze an der Bar waren bis auf einen Platz noch frei.
Laura entschloss sich für
einen Platz an der Theke. Sie setzte sich und der rothaarige Barkeeper nickte
ihr freundlich zu. Sie ließ den Blick noch einmal über den Raum schweifen und
war mit der Wahl des Lokals zufrieden.
Die Bar sah gemütlich aus,
war nicht zu groß und aus den Lautsprechern ertönte leise Musik. Der Mann, der
ebenfalls an der Bar saß, schaute kurz von seinem Magazin auf, blickte in ihre
Richtung, lächelte sie kurz an und vertiefte sich sofort wieder in seine
Lektüre.
Laura bestellte ein
Wodka-Cranberry und ein Wasser. Sie ließ gerade den Tag in ihren Gedanken Revue
passieren als der Barkeeper ihr die Getränke brachte.
„Havin`
a bad day?“
„That obvious?“
„Well let`s say it`s written all
over your face, sweetheart. If it`s a guy I`ll tell you he`s not worth it”,
meinte der Kellner mit einem wirklich netten Lächeln.
“Well, I can tell you this
time it`s not about a guy, but thanks for asking,” antworte Laura und war
wieder einmal erstaunt darüber wie einfach es in den USA war mit jemandem ins
Gespräch zu kommen.
Andere Länder andere Sitten, während es in
Wien an ein Wunder grenzte eine nette Verkäuferin oder gar Kellnerin zu treffen
war freundlicher Smalltalk wirklich die Königsdisziplin der Amerikaner. Schwieriger war es da
schon Freundschaften zu schließen. Laura lebte nun schon fast drei Monate in
New York aber bis auf ein paar Einladungen ihrer Arbeitskollegen hatte sie noch
keine Freundschaften geschlossen.
Laura probierte ihren
Drink und nickte dem Barkeeper, der sie daraufhin fragend anschaute, lächelnd
zu. „Glad, you like it, sweetheart“.
Mittlerweile kamen immer
weitere Leute in die Bar, so dass der Barkeeper sich um seine neuen Gäste
kümmern musste und so blieb Laura nichts anderes übrig als ihren Drink zu
genießen und die Leute in der Bar zu beobachten.
Ihr Blick schweifte
abermals über die Bar und blieb erneut an dem Mann an der Bar hängen. Er trug
eine schwarze Kappe unter der dunkelblonde Haare hervorschauten. Um seinen Hals
trug er eine silberne Kette mit verschiedenen Anhängern die lose über einem
schwarzen T-Shirt baumelte.
Laura konnte sein Alter
auf die Entfernung schwer schätzen doch, egal wie alt er war, zweifelsohne war
er attraktiv. Noch immer war er mit dem Lesen seiner Zeitschrift beschäftigt.
Der Barkeeper stellte ihm ein neues Bier hin und die beiden wechselten ein paar
Worte.
Der Mann hörte dem
Barkeeper zu, nickte ein paar Mal und blickte dann direkt in ihre Richtung. Laura
fühlte sich sofort ertappt und bemerkte wie die Farbe ihrer Wangen sich der
ihres Drinks näherte.
Oh
Gott, wie peinlich, jetzt denkt er bestimmt ich starre ihn an.
Schnell senkte sie ihren
Blick und nahm einen (zu) großen Schluck aus ihrem Glas. Sie verschluckte sich
und musste husten.
Okay, es hat immerhin
ganze zehn Minuten gedauert, bis du dich zum Affen gemacht hast.
„You ok, sweetheart?“,
fragte der Kellner und schaute besorgt in ihre Richtung.
Wo ist das Loch im Erdboden,
wenn man es einmal braucht?
Laura nickte nur und
hoffte, dass ihre Wangen nicht mehr ganz so rot waren. Etwas vorsichtiger nahm
sie nun den letzten Schluck von ihrem Drink und stellte das Glas vor sich hin.
Sie nahm gerade ihr IPhone aus der Tasche um die Zeit zu checken als der
Barkeeper ihr erneut ein Wodka-Cranberry hinstellte.
„I didn`t ord..“
„This drink is from the
guy sitting over there,“ unterbrach sie der Barkeeper und deutete in die
Richtung des Mannes an der Bar.
Laura schaute in seine Richtung
und sah wie er gerade sein Glas hob, ihr zuprostete und sie anlächelte. Er war
ungefähr fünf bis sechs Meter von ihr entfernt und trotzdem hatte sie das
Gefühl, dass es mit seinem Lächeln gerade ein paar Grad wärmer im Raum wurde.
Ich kann mir schon vorstellen, wer der Mann an der Bar ist ...
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Ilona