Story

Laura und Jon, ein modernes Märchen in New York?
Welche Hindernisse werden sich den beiden in die Wege stellen? Ich hoffe ihr begleitet mich auf einer spannenden Reise und teilt mir eure Gedanken mit.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Kapitel 4



Sie bezahlten, verabschiedeten sich noch von Larry, der es sich nicht nehmen ließ Jon noch einmal an seine Manieren zu erinnern und verließen die Bar.

„So tell me sweetheart, where do we have to go?“ “It´s just a short walk in this direction”, erklärte Laura und zeigte in die Richtung, in der ihre Wohnung lag.

Nebeneinander marschierten die beiden los als Laura plötzlich etwas einfiel. „Hey, wait what about that friend of yours?“ „Don`t worry, I already told him that we have to reschedule our meeting.” “You shouldn`t have done that, I feel bad for not letting you catch up with your friend”. “Trust me, it`s really ok, sweetheart”, erklärte er mit einem schelmischen Grinsen.

Laura schaute ihn an, musste nun auch lächeln und wusste, dass es keinen Sinn machen würde ihm erneut zu widersprechen. Der Mann wusste was er wollte und ließ sich durch nichts davon abhalten. Aktuell wollte er offensichtlich sie nach Hause begleiten.

Schweigend marschierten sie weiter in Richtung Wohnung. Mittlerweile war es späterer Abend und es waren wesentlich mehr Leute unterwegs als noch Stunden zuvor. Williamsburg war ein beliebtes Ausgehviertel und insbesondere Künstler vertrieben sich hier die Zeit. Das Ambiente und die junge Bevölkerung waren auch der Grund warum es Laura in diese Ecke der Stadt gezogen hatte. 

Das Viertel galt seit einigen Jahren als hip, was leider auch die Mietpreise in die Höhe getrieben hatte. Trotz allem war die Wohngegend, verglichen mit Manhattan, noch relativ günstig und Laura schaffe es mit der U-Bahn in einer knappen halben Stunde von ihrer Wohnung zur Schule. Für New Yorker Verhältnisse ein Katzensprung.

Mittlerweile hatten sie das Haus, in dem Lauras Apartment war, erreicht und sie öffnete die Eingangstür. „Well that was easy, wasn`t it?“, bemerkte Jon dazu grinsend. „Ha, ha!“, Laura konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Nebeneinander stiegen sie die Treppen zu Lauras Etage empor und blieben schließlich vor ihrer Wohnungstür stehen. „Ok, that`s the key, hopefully you are luckier than I was”, meinte Laura als sie Jon den Schlüssel überreichte. 

Er nahm den Schlüssel, steckte sie in das Schlüsselloch und versuchte die Tür zu öffnen. Wie früher bei Laura ließen sich der Schlüssel auch jetzt keinen Millimeter bewegen. Fast etwas erleichtert sah Laura Jon mit erhobenen Augenbrauen an. „Told you“. „Ok, let me see“, überlegte Jon, lehnte sich gegen die Türe und versuchte diese so zu öffnen. Wieder ohne Erfolg. 

Einige Minuten vergingen in denen Jon weiter versuchte den Schlüssel zu drehen. Laura hatte mittlerweile die Hoffnung aufgegeben und erinnerte Jon an den Schlüsseldienst, der ja ohnehin bald kommen müsste als plötzlich das Schloss knackte und sich der Schlüssel umdrehen ließ.  

Jon grinste Laura stolz an und fragte „anything else you want me to help you with?“. “Well the walls need painting since you are already here”, antwortete sie lachend. “Just joking, thank you so much Jon”. “Anytime, sweetheart”.

“You wanna come in, I think there is beer in the fridge”, hörte Laura sich plötzlich sagen. “Sure, why not, thank you”, nahm Jon ihre spontane Einladung sofort an und sie gingen in die Wohnung. 

Was in Gottes Namen machst du da? Er wäre bestimmt froh endlich nach Hause zu kommen und du verdonnerst ihn dazu noch länger zu bleiben. Andererseits, er ist ein erwachsener Mann, niemand zwingt ihn dazu eine Einladung anzunehmen.

„Nice place“, bemerkte Jon als er sich ich ihrer Wohnküche umsah. Lauras Wohnung war klein aber fein. Sie hatte zwei Räume. In einem Raum befanden sich eine kleine Kochnische mit einem runden Tisch, ein Fernseher, ein Sofa sowie ein Bücherregal. Diesen Raum hatte Laura in einem warmen orange ausgemalt. An den Wänden hingen verschiedene Bilder sowie Fotos von ihrer Familie und ihren Freunden. Außerdem gab es noch ein kleines Schlafzimmer in dem ihr Bett und ein Kasten gerade noch Platz fanden. Dieses Zimmer war komplett in schwarz-weiß gehalten. 

Jon schaute sich interessiert um und Laura bemerkte, wie er sich besonders die Fotos an den Wänden genauer anschaute. „You miss your friends a lot?“, frage er nun neugierig. „Yeah, sure but thank god there is Skype, it makes it a lot easier to stay in touch. And one of my friends is going to visit me in one month, I`m really looking forward to this”, führte sie weiter aus. 

Jon hörte ihr weiter gespannt zu, beobachte wie sie zwei Getränke aus dem Kühlschrank nahm und dabei ihren Hintern genau in seine Richtung streckte. Sie hatte eine wirklich gute Figur, nicht so verhungert wie viele Frauen heutzutage glaubten sein zu müssen, sondern Kurven genau an den richtigen Stellen.

Stop starring, asshole, she`s way too young and you are too old for screwing around.

Laura deutete auf ihr Sofa und die beiden nahmen Platz. Gerade als sie sich hingesetzt hatte klingelte ihr Handy. Sie kramte in ihrer Handtasche fand ihr geliebtes IPhone und nahm das Gespräch an. Es war der Mann vom Schlüsselservice mit dem spanischen Akzent. Er erläuterte, dass sie in etwa 20 Minuten zu ihr kommen könnten. Laura erklärt ihm, dass sie mittlerweile die Türe öffnen konnten und nun keine Hilfe mehr brauchte. Der Mann am anderen Ende der Leitung war darüber alles andere als erfreut und legte kurzerhand ohne Verabschiedung auf.

„Let me guess, he`s pissed“, meinte Jon der das Gespräch nicht überhören konnte. „You could say that“. „Just forget about it, it`s not worth thinking about it“, versuchte er sie zu trösten. “You are right, I`m in my apartment that`s most important after all”. 

“So tell me, the good looking guy in the picture over there, is this your boyfriend, sweetheart?”, fragte er nun neugierig. Laura lachte “no, that’s my brother Tom, he is five years older but we are very close, I miss him a lot.” 

“Ok, that explains why he is such a handsome man”, erwiderte Jon und brachte Laura mit seinen Komplimenten ganz schön in Verlegenheit.

Er flirtet mit mir eindeutig! Oh Gott! Beruhige dich, er ist einfach nur freundlich und auch der nette Verkäufer im Deli um die Ecke nennt dich Sweetheart. Kein Grund auszuflippen.

Jon kam nicht umhin zu bemerken, dass Laura bei seinen Komplimenten sichtlich errötete. „I don`t wanna make you feel uncomfortable“, entschuldigte er sich nun. „I`m sure you are tired and I should leave you alone“. “No!”, kam ihre Antwort viel zu vehement und rasch. “I mean, I`m not tired and I really enjoy your company“, versucht sie sich möglichst elegant aus der Affaire zu ziehen. 

Gut gemacht, jetzt hält er dich für eine komplette Idiotin!

„Me too”, meinte Jon daraufhin nur. schweigend sahen sie sich einen kurzen Moment in die Augen.

What am I getting myself into? I really should get going.

Ein weiteres Bier später unterhielten sich die beiden immer noch über Gott und die Welt. Laura hatte herausgefunden, dass Jon gerade Songs für ein neues Album schrieb und außerdem an verschiedenen Charityprojekten arbeitete. 

Die meiste Zeit des Gesprächs aber stellte Jon Laura eine Frage nach der anderen. Er war ein interessierter Zuhörer und bemerkte rasch über welche Themen Laura gerne sprach. Immer wieder brachte er das Gespräch deswegen auf ihren Beruf als Lehrerin und ihre Heimat, denn diese Themen zauberten Laura garantiert ein Lächeln auf die Lippen und brachten ihre Augen noch ein bisschen mehr zum Strahlen. 

„What kind of music are you into?“, lautete seine nächste Frage. “Well, there`s lot`s of stuff  I like but mostly rock, sometimes a little bit of country. Since I live here I discovered Keath Urban and really like some of his songs.” “He`s really good, I ran into him the last time I was in Nashville, we even played some songs together.” 

Die beiden unterhielten sich weiter über Musik und Laura erzählte schließlich doch noch, dass sie auch seine Musik gern mochte und ihn schon zweimal live gesehen hatte. Eigentlich wollte sie ihm diese Tatsache verschwiegen aber mittlerweile musste er ohnehin schon herausgefunden haben, dass sie kein verrückter Fan war schließlich hatte sie ihn zuerst nicht einmal erkannt. 

„We are playing a small show next Saturday. If you don`t have any plans you are very welcome”. “Thanks, I`d love to come”, nahm sie seine Einladung gerne an. “You`re welcome, the show is in a club in Manhattan, it`s acoustic so it`s probably not like the shows you have already seen”, erklärte er weiter. “Sounds good to me, tell me when and where and I`ll be there.” “Just give me your number and I`ll text you the details”. 

Like you couldn`t just tell her now.

Laura gab ihm ihre Nummer, widerstand aber der Versuchung ihn nach seiner zu fragen. Mittlerweile war es weit nach Mitternacht und Laura konnte ein Gähnen nicht länger unterdrücken.

„I really should let you sleep you look really tired”. Laura widersprach ihm nun nicht mehr, sie war müde. Es war unmöglich diese Tatsache zu leugnen.
„I really had a nice evening after all. Thanks Jon.” “It was my pleasure, sweetheart”. 

Inzwischen standen sie an ihrer Tür und Laura zerbrach sich gerade den Kopf darüber wie sie sich nun angemessen von ihm verabschieden sollte.
„Well I guess I`ll see you at the concert. I`ll let you know everything”, verabschiedete er sich nun von ihr.

„Thanks again and good night“. “You take care and sleep well” erwiderte Jon bevor er sich umdrehte und den Gang entlang in Richtung Stiegenhaus ging.
Laura schloss die Tür und setzte sich geradewegs nochmals auf ihr Sofa. 

Was für ein Abend. Zuerst kam sie nicht in die Wohnung und alles begann miserabel. Dann jedoch nahm der Abend eine unvorhergesehene Wende. Wer rechnet schon damit einen Rockstar kennenzulernen?

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Kapitel 3



Sie hob ebenfalls ihr Glas und lächelte zurück. In diesem Moment erhob er sich und machte sich auf den Weg in ihre Richtung. Gerade als er schon fast direkt neben ihr stand begann ihr IPhone zu läuten. Er blieb stehen und Laura hatte keine andere Möglichkeit als schnell abzuheben. 

„Hey Anna, danke für deinen Rückruf, nein …., ja alles ok mittlerweile, weißt du was, ich meld mich später noch bei dir und erzähl dir alles. Ok, pass auf dich auf, machs gut Süße“. 

Laura legte auf und wage es kaum sich umzudrehen. Hinter ihr stand, noch immer, abwartend der Typ mit der Kappe. 

„Mind if I join you for a drink?“, fragte er und schaute sie dabei fragend an.
„He`s a good one, sweetheart“, meinte nun auch der Barkeeper.
„And if you ever want to get rid of him just say the word“, ergänzte er grinsend.
“Larry, always on my side, huh?”, kam schnell seine “beleidigte” Antwort.
“Well, since Larry seems to take care of me it seems to be safe to offer you a seat”.
“Thank god!”, kam seine lachende Antwort.
“I`m Jon, by the way.”
“Hi, Laura”, stellte sie sich nun ebenfalls vor.
“So tell me why is a beautiful young lady hanging out alone in a bar on a Friday night?”
 “I couldn`t get into my apartment, so I had to get help and now I`m waiting here”.
“Ok, well that’s bad for you but good luck for me”, meinte er und schenkte ihr abermals ein verschmitztes Lächeln. 

Laura musste den Blick abwenden, seine blauen Augen, gepaart mit diesem Lächeln waren einfach fast zu viel des Guten. 

Oh Gott, es sollte für Männer verboten sein, so gut auszuschauen. 

Irgendetwas an ihm kam Laura bekannte vor, wo zum Teufel hatte sie dieses Lächeln schon gesehen?
Ok, Laura tief einatmen, sag etwas, sonst denkt er noch du bist ein kompletter Idiot!
„What brings you here, Jon?“, fiel ihr nun doch eine Frage ein.
„I had a meeting in Williamsburg and wanted to meet a friend here. Looks like, he`s running late”.

“So, have you lost your key or did you forget it in your apartment?”
“Actually I have it with me but when I wanted to open the door it wasn`t possible to turn the key,” erklärte sie ihm.
“Want me to try it?”.
“That`s so nice of you but I cant`t accept your offer.”
 “Why not?  Honestly, I never want to miss an opportunity to rescue a lady”, erklärte Jon und schaffte es mit einem weiteren Lächeln Laura ganz schön ins Schwitzen zu bringen.

Wie soll ich ihm bei diesem Lächeln etwas ausschlagen? Ich kenne ihn doch überhaupt nicht.

„But I already called a lockout service, they are going to send someone over,” versuchte sie ihn weiter davon zu überzeugen, dass er ihr nicht zu helfen brauchte.
„That`s going to take forever but for now I`m glad to offer you my company. I`m allowed to do that, right?”.
“Perfectly ok with me”.
“Well what does a guy want more?”
 “Tell me, where are you from, Laura?”.
“I`m from Austria, I grew up in a small village but then moved to Vienna”, beantwortete sie seine Frage.
“Austria, wow nice place, unfortunately I haven`t seen much of it until now”.
“You have been there?”, fragte sie ungläubig. 

Ihren Erfahrungen zu Folge wussten die meisten Amerikaner nicht genau wo Österreich lag. Viele verwechselten Austria mit Australia und die wenigsten hatten ihren eigenen Kontinent schon einmal verlassen. 

„Yeah, several times but as I told you I never got the chance to actually spend time there“.
“Well, you should go there one time, there are lots of things to see”.
“I must have missed a lot when all the girls over there are looking only half as good as you do”, erwiderte er grinsend und brachte Laura wieder einmal dazu ihre Gesichtsfarbe zu wechseln. 

“What brings you to the States, Laura?”
“I applied to an exchange programme for teachers and now I`m working at an elementary school in Manhattan”.
“Cool, must have been a big step to leave your home country “.
“Yeah, I had a pretty tough time at home and felt it was time for some change”. 

Jon hatte mittlerweile sein Bier ausgetrunken und hob sein Glas um Larry zu zeigen, dass er noch ein Getränk wollte.
„He`s behaving good, isn`t he?“, erkundigte sich Larry.
“The perfect gentlemen”.
Jon grinste sichtlich stolz über dieses Kompliment.

 „Jon, men I don`t want to interrupt you but it`s getting crowded in here and people might approach you. There`s  always the possibility to take the lady to one of the desks in the back of the bar”.
“Thanks for the warning Larry”.
“Laura, since it`s going to be more comfortable why don`t we take one of the seats over there”. 

Laura hatte das Gespräch zwischen Larry und Jon gespannt verfolgt aber keinen weiteren Gedanken darüber verschwendet.
Laura stand auf, nahm ihre Handtasche und zuckte unmerklich zusammen als Jon ihr sanft seine Hand auf ihren Rücken legte und sie sanft in die hintere Ecke des Lokals schob. 

Sie nahmen den letzten Tisch in der rechten Ecke wobei Jon Laura den Platz überließ auf dem sie den ganzen Raum überblicken konnte. Er selbst wählte den Platz mit Blick in Richtung Wand. 

„Did you grew up in New York?“, nahm Laura das Gespräch wieder auf.
“Nah, born and raised in New Jersey, baby”, beantwortet er ihre Frage nicht ohne Stolz. 

Sie schaute ihn an, überlegte kurz, setzte zu einer Antwort an, hielt dann aber doch inne. Jon konnte beinahe sehen wie sich in ihrem hübschen Kopf die Informationen zusammenfügten. Zu oft hatte er diesen Vorgang schon beobachtet. Um ehrlich zu sein hatte er spätestens mir Larrys Vorschlag den Platz zu wechseln damit gerechnet, dass sie ihn erkennen würde.

„Jon, I`m  uhm a little embarrassed that I didn`t recognize you right away, I`m sorry”.
“Don`t be, there is honestly no need to be. I kind of enjoyed it that you didn`t hop on that train right away”.
“You are welcome”, entgegnete sie ihm freundlich. 

„When was your friend supposed to arrive?“.
“He should have been here for a while but since I`m enjoying my time talking to you I don`t mind at all”, beantwortete er ihre Frage und lächelte sie wieder mit diesem umwerfenden Strahlen an. Laura konnte nicht anders als ihn ebenfalls anzulächeln.

Kein Wunder, dass Frauen zwischen 15 und 65 auf ihn abfahren. 

Sie setzen ihre Unterhaltung fort wobei Jon wirklich erleichtert war, dass Laura auch jetzt wo sie wusste wer er war, sich vollkommen normal mit ihm unterhielt. Oft genug hatte er erleben müssen, dass Menschen von seiner Berühmtheit geblendet wurden und sich daraufhin komplett unnatürlich verhielten. 

Thank god, it`s not like that with here. I couldn`t bring myself talk to another starstruck chick who wants to impress me.

Laura hatte sich nach einer kurzen Schocksekunde schnell wieder erholt und sie setzen ihre Unterhaltung fort.
Die Zeit verging wie im Fluge, als Laura das nächste Mal auf die Uhr schaute waren bereits eineinhalb Stunden vergangen.

„Oh my god, shit, I didn`t know that it is already that late!“, rief Laura besorgt als sie auf ihre Uhr geblickt hatte. “They haven’t called and I told you it was going to take them forever to come back to you,” versuchte Jon sie zu beruhigen. “Anyway I should go back!” “It´s already quite late and I´m not letting you wait there alone. My Mum raised a gentleman so please let me walk you to your apartment. I could try to open the door “.

Langsam gingen Laura die Ausreden aus. Jon schaute sie mit einem Blick der besage, dass er „nein“ als Antwort nicht gelten lassen würde, an und Laura willigte schließlich ein. Mit einer Handbewegung signalisierten sie Larry die Rechnung zu bringen.

Montag, 15. Oktober 2012

Kapitel 2



Sie entschied sich also für das  „Taylors“, öffnete die grüne Tür und musste erst mal ein paar Stufen nach unten gehen. Die Bar war um diese Uhrzeit noch nicht besonders gut besucht. Einige Pärchen saßen an den Tischen, die Plätze an der Bar waren bis auf einen Platz noch frei. 

Laura entschloss sich für einen Platz an der Theke. Sie setzte sich und der rothaarige Barkeeper nickte ihr freundlich zu. Sie ließ den Blick noch einmal über den Raum schweifen und war mit der Wahl des Lokals zufrieden. 

Die Bar sah gemütlich aus, war nicht zu groß und aus den Lautsprechern ertönte leise Musik. Der Mann, der ebenfalls an der Bar saß, schaute kurz von seinem Magazin auf, blickte in ihre Richtung, lächelte sie kurz an und vertiefte sich sofort wieder in seine Lektüre. 

Laura bestellte ein Wodka-Cranberry und ein Wasser. Sie ließ gerade den Tag in ihren Gedanken Revue passieren als der Barkeeper ihr die Getränke brachte.
 „Havin` a bad day?“
 „That obvious?“
 „Well let`s say it`s written all over your face, sweetheart. If it`s a guy I`ll tell you he`s not worth it”, meinte der Kellner mit einem wirklich netten Lächeln.

“Well, I can tell you this time it`s not about a guy, but thanks for asking,” antworte Laura und war wieder einmal erstaunt darüber wie einfach es in den USA war mit jemandem ins Gespräch zu kommen.

 Andere Länder andere Sitten, während es in Wien an ein Wunder grenzte eine nette Verkäuferin oder gar Kellnerin zu treffen war freundlicher Smalltalk wirklich die Königsdisziplin der Amerikaner. Schwieriger war es da schon Freundschaften zu schließen. Laura lebte nun schon fast drei Monate in New York aber bis auf ein paar Einladungen ihrer Arbeitskollegen hatte sie noch keine Freundschaften geschlossen. 

Laura probierte ihren Drink und nickte dem Barkeeper, der sie daraufhin fragend anschaute, lächelnd zu. „Glad, you like it, sweetheart“. 

Mittlerweile kamen immer weitere Leute in die Bar, so dass der Barkeeper sich um seine neuen Gäste kümmern musste und so blieb Laura nichts anderes übrig als ihren Drink zu genießen und die Leute in der Bar zu beobachten. 

Ihr Blick schweifte abermals über die Bar und blieb erneut an dem Mann an der Bar hängen. Er trug eine schwarze Kappe unter der dunkelblonde Haare hervorschauten. Um seinen Hals trug er eine silberne Kette mit verschiedenen Anhängern die lose über einem schwarzen T-Shirt baumelte.

Laura konnte sein Alter auf die Entfernung schwer schätzen doch, egal wie alt er war, zweifelsohne war er attraktiv. Noch immer war er mit dem Lesen seiner Zeitschrift beschäftigt. Der Barkeeper stellte ihm ein neues Bier hin und die beiden wechselten ein paar Worte.

Der Mann hörte dem Barkeeper zu, nickte ein paar Mal und blickte dann direkt in ihre Richtung. Laura fühlte sich sofort ertappt und bemerkte wie die Farbe ihrer Wangen sich der ihres Drinks näherte. 

Oh Gott, wie peinlich, jetzt denkt er bestimmt ich starre ihn an.

Schnell senkte sie ihren Blick und nahm einen (zu) großen Schluck aus ihrem Glas. Sie verschluckte sich und musste husten. 

Okay, es hat immerhin ganze zehn Minuten gedauert, bis du dich zum Affen gemacht hast. 

„You ok, sweetheart?“, fragte der Kellner und schaute besorgt in ihre Richtung. 

Wo ist das Loch im Erdboden, wenn man es einmal braucht? 

Laura nickte nur und hoffte, dass ihre Wangen nicht mehr ganz so rot waren. Etwas vorsichtiger nahm sie nun den letzten Schluck von ihrem Drink und stellte das Glas vor sich hin. Sie nahm gerade ihr IPhone aus der Tasche um die Zeit zu checken als der Barkeeper ihr erneut ein Wodka-Cranberry hinstellte. 

„I didn`t ord..“
„This drink is from the guy sitting over there,“ unterbrach sie der Barkeeper und deutete in die Richtung des Mannes an der Bar. 

Laura schaute in seine Richtung und sah wie er gerade sein Glas hob, ihr zuprostete und sie anlächelte. Er war ungefähr fünf bis sechs Meter von ihr entfernt und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass es mit seinem Lächeln gerade ein paar Grad wärmer im Raum wurde.