Story

Laura und Jon, ein modernes Märchen in New York?
Welche Hindernisse werden sich den beiden in die Wege stellen? Ich hoffe ihr begleitet mich auf einer spannenden Reise und teilt mir eure Gedanken mit.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Kapitel 1



Verdammt“, dachte Laura als sie verzweifelt versuchte die Eingangstür zu ihrem Apartment in Brooklyn zu öffnen. Der Schlüssel steckte, ließ sich aber beim besten Willen nicht drehen. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Sie musste Hilfe holen. Anders gab es wohl keine Chance in die Wohnung zu kommen. Sie stellte schnell ihre Tasche auf den Boden und kramte nach ihrem IPhone. Sie entsperrte das Telefon und wählte rasch die Kurzwahltaste für Anna. 

Es klingelte einmal, dann konnte Laura bereits die Ansage der Mobilbox hören. „Scheiße, womit hab ich das verdient?“, fluchte Laura nicht gerade leise vor sich hin. 

„Da brauch ich dringend ihre Hilfe und sie geht nicht ran“. Anna war ihre beste Freundin, bereits seit der Schulzeit waren sie ein unzertrennliches Gespann gewesen. Laura und Anna, immer für einander da, egal was auch immer passieren würde. 

Anna war ohne zu zögern mitten in der Nacht zu ihr gekommen als sie vollkommen verzweifelt war weil sie Simon in flagranti mit einer anderen erwischt hatte. Anna hatte sofort eine Tasche für sie gepackt und sie mit in ihre Wohnung genommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie beide nicht gewusst, dass diese Wohnsituation fast fünf Monate so bleiben sollte.

Fünf Monate, in denen Laura ihr gesamtes Leben mehr als einmal überdachte, in denen sie alle Phasen einer Trennung durchlebte und mehr Taschentücher als eine an Schnupfen erkrankte Großfamilie verbrauchte. 

Anna war ihr zur Seite gestanden, hatte sich nicht beschwert als Laura zum wahrscheinlich 50 Mal Dirty Dancing sehen wollte und auch ihren Wunsch alles hinter sich zu lassen und komplett neu anzufangen hatte Anna niemals belächelt, sondern im Gegenteil, sie hatte Laura immer unterstützt. 

Aber jetzt war ihr Telefon ausgeschalten, was bei näherer Betrachtung der Dinge auch daran liegen konnte, dass es in Österreich schon nach Mitternacht war. Hier in New York war es gerade mal halb sieben Uhr abends. 

Laura hatte in der Hitze des Gefechtes nicht nur die Zeitverschiebung vergessen, sondern auch die Tatsache, dass ihr die tausende Kilometer entfernte Freundin wohl diesmal nicht aus der Patsche helfen konnte. 

Was sollte Anna auch in Wien unternehmen um ihr hier in Brooklyn bei ihrem Schlüsselproblem zu helfen? Anna würde wohl zuerst beruhigend auf sie einreden und dann die Nummer eines Schlüsseldienstes im Internet heraussuchen. 

Meisterleistung“, überlegte Laura „auf diese Idee hätte ich auch selbst kommen können.“ Die Vorstellung, wie ihre Freundin mit der Situation umgegangen wäre, hatte Laura aber nicht nur ein Lächeln auf die Lippen gezaubert, es hatte sie auch ruhiger gemacht. 

„Kein Grund auszuflippen, Laura, es gibt auch in New York Schlüsseldienste und es ist ja nun nicht so, dass du mitten in der Wüste auf der Suche nach einer Oase bist, du kannst dieses Problem lösen“, murmelte Laura leise zu sich selbst. 

Sie nahm abermals das IPhone zur Hand, tippte das Googlesymbol an und hatte binnen Sekundenschnelle zig Telefonnummern von Schlüsseldiensten ganz in der Nähe vor sich. 

Schnell überflog sie die Liste und wählte dann eine der Nummern. Es klingelte und rasch hatte sie auch einen Mann mit starkem spanischem Akzent in der Leitung. Er hörte sich geduldig ihre Erklärung an, bat sie einen Moment dranzubleiben, und teilte ihr dann freundlich mit, dass er so schnell wie möglich jemanden vorbeischicken würde.

Laura bedankte sich, wollte schon auflegen, fragte aber dann noch nach bis wann der Servicemann da sein konnte. „He`ll try to came as soon as possible, but there is no chance to make it before half past nine. He`ll give you a call“, antwortete der Mann am Telefon. 

Laura verabschiedete sich und atmete erst einmal tief durch. Ok, der erste Schritt war getan, bis halb zehn waren es noch gut zweieinhalb Stunden, die es nun zu überbrücken galt. 

Langsam sankt Laura auf den Boden und lehnte sich mit ihrem Rücken gegen die verschlossene Tür. Sie atmete einige Male tief durch, fuhr sich mit der Hand durch ihre dunkelbraunen Locken und kramte dann in ihrer Tasche nach irgendeinem Zeitvertreib. Mist, das Notebook lag in der Schule und heute Morgen hatte sie wohl auch vergessen ihren Kindle einzupacken. 

In ihrer Tasche fand sie lediglich einen uralten Müsliriegel, eine Packung Taschentücher und etwas Schminkzeug. Sie schnappte sich noch einmal ihr IPhone, entsperrte es und stellte fest, dass seit ihrem Anruf immerhin drei Minuten vergangen waren. 

„Scheiße, Scheiße, Scheiße“, fluchte sie diesmal etwas leiser vor sich hin. „Kein Grund jetzt die Nerven wegzuschmeißen, der Schlüsseldienst kommt und du gehst jetzt einfach in eine der Bars in der nächsten Straße, trinkst etwas und schlägst dort die Zeit tot“, befahl Laura sich selbst. 

Etwas zögernd stand sie daraufhin auf und machte sich auf den Weg durch das Stiegenhaus in Richtung Ausgang. Ihre Tasche und das Telefon in der Hand machte sie sich auf den Weg in Richtung Harrison Avenue, eine belebte Straße gleich um die Ecke. 

Jetzt kurz nach sieben war einiges auf den Straßen los. Die Leute kamen von der Arbeit heim, viele von ihnen trugen ihr „Take-away-Essen“ mit sich rum. Laura hatte zwar mittlerweile einige Vorteile, der Stadt die niemals schläft kennengelernt, die amerikanische Art zu „kochen“ jedoch hatte sich ihr bis jetzt noch nicht erschlossen. 

Die meisten ihrer Arbeitskollegen nannten das Aufwärmen eines Mikrowellengerichtes „kochen“ und konnten einfach nicht nachvollziehen warum man stundenlang in der Küche stehen wollte, wenn in New York praktisch jedes Gericht rund um die Uhr verfügbar war. 

Laura liebte es zu kochen. Im Haus ihrer Eltern war die Küche stets der Mittelpunkt des Hauses gewesen und ihre Mutter als leidenschaftliche Köchin hatte wohl einiges ihrer Fähigkeiten auf ihre Tochter übertragen.
Mittlerweile war Laura in der Harrison Avenue angelangt. In dieser Straße gab es einige Bars und kleine Restaurants. Gleich rechts vor ihr konnte sie eine Bar namens „Taylors“ entdecken. 

Rechts nebenan sah sie einen kleinen Italiener. Sie überlegte kurz sich dort eine Pizza zu bestellen beschloss dann aber, dass der heutige Tag wohl eher nach etwas „Härterem“ verlangte. Außerdem war morgen Samstag, sie konnte sich also beruhigt ausschlafen. Das Wochenende lag vor ihr.

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