Eine Stunde später wurde Laura abermals durch ihr Handy
geweckt. Dieses Mal klingelte das verdammte Ding und Laura hatte das Gefühl,
dass es immer lauter und penetranter wurde.
Ok, nun hat der Tag
wohl offiziell begonnen.
Das IPhone war mittlerweile verstummt und Laura wagte
es einen Blick darauf zu werfen. Der Anruf war von Anna gewesen. Es war
schließlich Samstag und damit an der Zeit sich mit ihrer Freundin
auszutauschen.
Laura erhob sich aus dem Bett und warf die
Kaffeemaschine an. Ein Kaffee würde ihr helfen einen klaren Kopf zu bekommen.
Während Anna darauf wartete, dass sich die Maschine aufheizte holte sie Milch
aus dem Kühlschrank und erwärmte sie. Ein richtig guter Café Latte war es, was
sie jetzt brauchte.
Als sie wenig später die dampfende Tasse in ihren
Händen hielt und noch ein wenig Kakao auf den Milchschaum streute war sie mit
ihrem Werk zufrieden und machte es sich auf der Couch gemütlich.
Noch einmal schaute sie sich Jons SMS von heute Morgen
an. Sollte sie darauf antworten. Was hatte die Nachricht überhaupt zu bedeuten?
Steigere dich in
nichts hinein, bleib ruhig und schicke eine freundliche Nachricht zurück.
Was aber war in so einem Fall eine angemessene Antwort?
Auch nach minutenlangem Überlegen fiel ihr beim besten Willen nichts Passendes
ein. Laura entschloss sich für einen simplen Smiley gefolgt von den Worten „See
you at the show, rockstar.“
Laura tauchte den Löffel genüsslich in den Milchschaum
ein und schleckte ihn ab. So jetzt war es wirklich an der Zeit Anna zurückzurufen.
Warum hatte sie nur das Gefühl, dass sie dieses Telefonat so lange wie möglich
hinauszögerte?
Du weißt genau,
dass du es ihr erzählen musst ….. Und sie wird sich kein Blatt vor dem Mund
nehmen …..
Anna versuchte abzuschätzen „wie viel“ Wahrheit Anna
wohl vertragen würde als erneut eine SMS eintraf.
09:25 Looking forward to it J.
Laura grinste das Telefon an und wählte – endlich –
Annas Nummer. Es klingelte ein, zwei, dreimal bevor Anna abhob. „Hey Süße,
endlich hör ich dich mal, da hab ich einen total ruhigen Nachtdienst und hätte
Zeit mit dir zu telefonieren und dann erreiche ich dich nicht“, eröffnete ihre
Freundin offensichtlich gut gelaunt das Gespräch.“
„Anna, ich freu mich auch dich zu hören, hab bloß schon
wieder auf die Zeitumstellung vergessen. Sag, hast du noch Zeit zum Plaudern,
oder ist es gerade ungünstig für dich?“
„Lass mich sehe, nein niemand ist in Lebendgefahr, ich
gehöre also ganz dir. Was tut sich bei dir? Gab es schon ein weiteres Treffen
mit dem mysteriösen Mann?“ „Du hast wohl keine Lust um den heißen Brei zu
reden, wie?“ „Laura, Süße, ich könnte stundenlang mit dir quatschen aber du
weißt, dass ich im Dienst bin und dieses Gespräch jede Minuten vorbei sein
kann. Da will ich wenigstens die wirklich wichtigen Infos aus dir quetschen.
Gib zu, du würdest es genauso machen.“
„Ja, ja schon klar du bist nur an Mr. Unbekannt
interessiert“, witzelte Anna bevor sie in bedeutend ernsterem Ton fortfuhr.
„Anna, er ist … er …oh Gott, wo soll ich bloß beginnen?“ „Wie wäre es mit dem
Anfang?“
„Also, wir haben uns zum Laufen verabredet und es war
unglaublich. Ich hatte das Gefühl ihn schon ewig zu kennen …..“
Als Laura 20 Minuten später auflegte war ihr Cafe kalt
geworden, ihr Gesicht glühte dafür. Anna hatte sie gnadenlos ausgequetscht. Eine
Frage nach der anderen hatte Laura beantwortet während Anna aufmerksam zuhörte
und gelegentlich Kommentare abgab.
Warum hast du ihr
nicht die ganze Wahrheit gesagt? Weil du verdammt noch mal selbst weißt wie
jeder normale Mensch darauf reagiert.
Laura hatte bei ihrem Telefonat zwei klitzekleine
Details verschwiegen. Sie hatte Anna zwar verraten, dass Mr. Unbekannt Jon hieß,
seinen Nachnamen hatte sie aber weggelassen. Außerdem hatte sie ihrer Freundin
nicht erzählt, dass Jon verheiratet war.
Du kannst es ihr
immer noch erzählen wenn sie zu Besuch kommt.
Bereit zum zweiten Mal schaltete Laura die
Kaffeemaschine ein. Nach dem Gespräch mit Anna hatte sie noch viel mehr das
Gefühl einen klaren Kopf bekommen zu müssen.
Denn diesen würde sie brauchen. Es gab noch jede Menge
Vorbereitungen vor dem Konzert zu treffen. Laura bereute sich bis jetzt noch
keine Gedanken über ihr Outfit gemacht zu haben.
Gottseidank blieben noch einige Stunden Zeit bis Paul
sie abholen würde. Laura öffnete ihren Schrank und legte ein paar Tops auf ihr
Bett.
Schwarz? Rot? Blau
oder doch vielleicht grau? Rock oder Hose? Was sprach eigentlich gegen ein
Kleid?